Vietnam ist in den letzten Jahren zum Sehnsuchtsziel vieler geworden, die SĂĽdostasien fĂĽr sich entdecken: Kaffeekultur, KĂĽste, niedrige Preise, ein Land im Aufbruch. Als Reiseziel ist das alles wahr.
Als Wohnsitz sieht die Rechnung anders aus, und zwar aus zwei Gründen, die miteinander nichts zu tun haben und sich trotzdem addieren. Vietnam besteuert steuerlich Ansässige auf ihr weltweites Einkommen, und es kennt kein Aufenthaltsprodukt für Ruheständler oder Selbstständige im engeren Sinn. Wer nach Vietnam zieht, zieht damit nicht in ein Territorialsystem, sondern in eines, das dem deutschen in der Grundlogik ähnelt.
Philippinen oder Vietnam: der Vergleich im Ăśberblick
| Philippinen | Vietnam | |
|---|---|---|
| Steuer auf Auslandseinkommen | Steuerfrei als Resident Alien | **Weltweites Einkommen ist steuerpflichtig**, sobald du dort ansässig bist |
| Residency-Programm | SRRV ab 40, Deposit ab 10.000 USD, unbefristet | **Kein Ruhestandsvisum.** Aufenthalt läuft über Arbeit, Investition oder Familie |
| Lebenshaltungskosten | Davao komfortabel ab rund 1.450 Euro im Monat | Vergleichbar bis gĂĽnstiger, Da Nang und Hue deutlich unter Ho-Chi-Minh-Stadt |
| Banking & CRS | Konten machbar, kein CRS-Austausch | Banking für Ausländer umständlich, Kapitalverkehr reguliert |
| Währung | Peso, weich, frei konvertierbar | Dong, weich, mit **Beschränkungen beim Kapitalverkehr** |
| Immobilien | Condo ja, Land nein | Eigentumswohnung mit befristetem Nutzungsrecht, Land nein |
| DBA mit Deutschland | Ja (DBA 2013, anwendbar ab 2016): § 2 AStG läuft leer | Ja, vorhanden |
| Anbindung | Davao mit einem Umstieg nach Mitteleuropa | Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt teils direkt nach Mitteleuropa |
| Gesundheit | Gute Privatkliniken in Davao, Singapur in Reichweite | Private Kliniken in den Großstädten ordentlich, außerhalb dünn |
Hervorgehobene Zelle: die stärkere Option der Zeile. Regeln ändern sich laufend: vor einer Entscheidung aktuellen Stand prüfen.
Wo Vietnam gewinnt, ehrlich
Die Lebensqualität in den mittelgroßen Städten ist außergewöhnlich. Da Nang, Hoi An und Hue bieten eine Mischung aus Küste, Kaffeehauskultur und funktionierender Infrastruktur, die in Südostasien selten ist. Wer einmal an einer Straße in Hoi An gesessen hat, versteht die Begeisterung.
Das Essen ist besser. Das ist kein Nebensatz, sondern für viele Auswanderer ein täglicher Faktor. Die vietnamesische Küche gehört zu den besten Asiens, sie ist frisch, günstig und überall verfügbar. Die philippinische Küche ist das nicht, und ehrlicherweise nennt kaum jemand sie als Grund für den Umzug.
Die Kosten liegen tendenziell noch unter Davao, besonders auĂźerhalb von Ho-Chi-Minh-Stadt.
Und die Anbindung ist besser, mit teils direkten Verbindungen nach Mitteleuropa statt eines Umstiegs.
Wo die Philippinen gewinnen
Der Steuerpunkt entscheidet den Vergleich, und zwar deutlich. Wer in Vietnam steuerlich ansässig wird, ist dort mit dem weltweiten Einkommen steuerpflichtig. Deine Dividenden aus dem europäischen Depot, dein Honorar von ausländischen Kunden, dein Gewinn aus dem Verkauf einer Beteiligung: alles grundsätzlich im Netz. Das ist die Logik, vor der die meisten aus Deutschland weggezogen sind, nur mit anderen Sätzen.
Auf den Philippinen liegt ausländisches Einkommen eines Resident Alien außerhalb des Steuernetzes. Nicht als Vergünstigung, sondern weil das System territorial gebaut ist.
Der zweite Punkt ist der Aufenthalt. Vietnam hat kein Produkt für Menschen, die weder arbeiten noch investieren wollen. Wer als Ruheständler oder als Selbstständiger mit ausländischen Kunden kommt, bewegt sich in Konstruktionen, die entweder aufwendig oder auf Dauer nicht tragfähig sind. Das SRRV ist genau für diesen Fall gebaut.
Der dritte Punkt ist Geld. Vietnam reguliert den Kapitalverkehr spĂĽrbar. Geld ins Land zu bringen ist meist unproblematisch, es wieder herauszubekommen kann Dokumentation und Zeit kosten. FĂĽr einen Wohnsitz, der auch als Plan B funktionieren soll, ist das die falsche Eigenschaft.
Die deutsche Steuerbrille: die Doppelbelastung, die viele ĂĽbersehen
Beide Länder haben ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland. Das verhindert, dass dasselbe Einkommen zweimal voll besteuert wird, aber es macht aus einem Welteinkommensstaat keinen Territorialstaat.
Für dich heißt das: In Vietnam zahlst du auf dein Auslandseinkommen vietnamesische Steuer, und das Abkommen sorgt dafür, dass Deutschland dir nicht zusätzlich zugreift, wo es kein Besteuerungsrecht hat. Was es nicht tut, ist deine Steuerlast auf null zu bringen. Auf den Philippinen ist sie auf null, weil das Einkommen dort gar nicht erst steuerbar ist.
Zur erweiterten beschränkten Steuerpflicht nach § 2 AStG: Sie setzt niedrige Besteuerung im Zielland und wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland voraus und greift erst oberhalb von 16.500 Euro betroffener Einkünfte. Bei einem Land, das dich auf dein Welteinkommen besteuert, stellt sich die Frage der niedrigen Besteuerung anders als bei einem Territorialstaat. Beim philippinischen Abkommen ist die Lage klar: Es enthält keine Vorbehaltsklausel zugunsten Deutschlands, sodass die Norm für alle Einkünfte leerläuft, die das Abkommen den Philippinen zuweist.
Für Österreicher und Schweizer: § 2 AStG betrifft dich nicht, die vietnamesische Welteinkommensbesteuerung schon. Der Punkt dieses Abschnitts gilt für dich also unverändert, nur die deutsche Hälfte fällt weg.
Der Unterschied, den man erst nach einem Jahr merkt
Vietnam ist ein hervorragendes Land, um eine Zeit lang zu leben. Es ist ein schwieriges Land, um sich niederzulassen.
Der Grund ist nicht Feindseligkeit, sondern Systematik. Vietnam ist auf Ausländer eingestellt, die kommen, arbeiten oder investieren und wieder gehen. Es ist nicht auf Ausländer eingestellt, die bleiben, ohne einen dieser Zwecke zu erfüllen. Es gibt keinen dauerhaften Status, in den man hineinwächst, und es gibt kein Verfahren, das aus einem Langzeitgast einen Ansässigen mit Rechten macht.
Auf den Philippinen ist genau das der Kern des Angebots. Das SRRV ist unbefristet, es macht dich zum Resident Alien, es lässt dich ein Konto eröffnen, eine Steuernummer bekommen und eine Ansässigkeitsbescheinigung beantragen. Es ist kein Aufenthalt auf Zeit mit Verlängerungspflicht, sondern ein Status.
Wer plant, in fünf Jahren woanders zu sein, wird diesen Unterschied nie spüren. Wer eine Basis für den Rest des Lebens sucht, spürt ihn ab dem ersten Behördengang.
FĂĽr wen Vietnam trotzdem gewinnt
- •Du bist angestellt oder entsandt und dein Aufenthalt hängt ohnehin am Arbeitgeber. Dann fällt die Visumsfrage weg.
- •Dein Einkommen ist überwiegend lokal, dann spielt die Welteinkommensbesteuerung für dich eine kleinere Rolle.
- •Du planst wenige Jahre, nicht Jahrzehnte, und suchst Lebensqualität statt einer dauerhaften Basis.
- •Essen und Kaffeekultur sind dir wirklich wichtig. Das ist ein legitimes Kriterium, und Vietnam gewinnt es klar.
- •Du willst kurze Direktflüge nach Mitteleuropa ohne Umstieg.
Das erste Jahr, praktisch
Der Unterschied zwischen den beiden Ländern wird im ersten Jahr an einer Stelle konkret, die niemand vorher auf dem Zettel hat: der Frage, was du deinem deutschen Finanzamt vorlegen kannst.
Nach dem Wegzug kommt der Fragebogen. Wer in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig war, bekommt einige Monate nach der Abmeldung Post mit detaillierten Fragen zum Wegzug: wo du jetzt wohnst, wo du steuerlich ansässig bist, was du in Deutschland zurückgelassen hast. Diese Fragen beantwortet man am besten mit Papieren, nicht mit Erklärungen.
Auf den Philippinen entsteht dabei eine geschlossene Akte: Mietvertrag, Barangay-Zertifikat, Steuernummer, Registrierungsbestätigung, ACR I-Card und auf Wunsch die Ansässigkeitsbescheinigung. Das ist genau der Stapel, den der Fragebogen sehen will.
In Vietnam ist die Lage unübersichtlicher. Der Aufenthalt hängt an einem Zweck, der belegt sein muss, und die steuerliche Ansässigkeit entsteht über Anwesenheit. Beides zusammen ergibt eine Position, die man erklären kann, aber es ergibt keinen Stapel, den man vorlegt. Wer plant, im ersten Jahr Fragen aus Deutschland zu bekommen, sollte einplanen, wie er sie beantwortet.
Drei Fragen, die den Vergleich fĂĽr dich entscheiden
Hängt dein Aufenthalt an einem Arbeitgeber? Wenn ja, entfällt der schwerste Einwand gegen Vietnam, denn das Visumsproblem löst dann jemand anders. Wenn nein, ist es der Punkt, an dem der Vergleich endet.
Wie groß ist dein ausländisches Einkommen? Bei kleinen Beträgen fällt die Welteinkommensbesteuerung kaum ins Gewicht, und Vietnam gewinnt über Lebensqualität und Essen. Ab einem mittleren fünfstelligen Jahresbetrag kippt die Rechnung deutlich, und zwar dauerhaft.
Planst du Jahre oder Jahrzehnte? Vietnam ist ein hervorragendes Land für eine Lebensphase. Es ist kein Land, das dir einen Status gibt, in den du hineinwächst. Wer eine Basis für den Rest des Lebens sucht, sucht etwas, das Vietnam nicht anbietet.
Wenn du auf alle drei Fragen mit „kurzfristig, klein, angestellt" antwortest, ist Vietnam eine gute Wahl. Bei jeder anderen Kombination gewinnen die Philippinen.
Das Urteil
Vietnam ist eines der schönsten Länder Südostasiens und einer der ungeeignetsten Wohnsitze für jemanden, der wegen der Steuerlogik auswandert. Welteinkommensbesteuerung, kein Ruhestandsvisum und ein regulierter Kapitalverkehr sind drei Gründe, die einzeln schon schwer wiegen und sich zusammen addieren.
Wähle Vietnam, wenn dein Aufenthalt ohnehin an einem Arbeitgeber hängt oder wenn du für ein paar Jahre kommst und Lebensqualität über Struktur stellst. Wähle die Philippinen, wenn du eine Basis willst, die dir einen dauerhaften Status gibt und dein ausländisches Einkommen nicht anfasst.
Häufige Fragen
Besteuert Vietnam wirklich mein deutsches Depot?
Wer in Vietnam steuerlich ansässig ist, ist dort grundsätzlich mit dem weltweiten Einkommen steuerpflichtig, also auch mit ausländischen Kapitalerträgen. Das Doppelbesteuerungsabkommen verhindert die doppelte Vollbelastung, macht die Einkünfte aber nicht steuerfrei. Auf den Philippinen fallen sie als Auslandseinkommen gar nicht erst ins Netz, siehe Steuerteil.
Gibt es in Vietnam ein Rentnervisum?
Nein, kein Produkt, das mit dem SRRV vergleichbar wäre. Die Wege in den Aufenthalt führen über Arbeit, Investition oder Familie. Wer als Ruheständler kommt, bewegt sich in Konstruktionen, die auf Dauer nicht tragfähig sind. Das SRRV verlangt Mindestalter und Einlage, sonst nichts.
Ist Vietnam gĂĽnstiger als Davao?
Außerhalb von Ho-Chi-Minh-Stadt tendenziell ja, der Unterschied ist aber kleiner als oft angenommen. Und er wird von der Steuerseite mehr als aufgezehrt, sobald du nennenswerte ausländische Einkünfte hast. Die Davao-Zahlen stehen in den Lebenshaltungskosten.
Kann ich in Vietnam eine Wohnung kaufen?
Eine Eigentumswohnung ja, mit befristetem Nutzungsrecht, Land nein. Das ähnelt der philippinischen Lage, wo ebenfalls nur die Eigentumswohnung zugänglich ist. In beiden Fällen gilt: der Vertrag trägt später deine Aufenthaltsakte, also gehört er geprüft, bevor du unterschreibst.
Wie belege ich meine Ansässigkeit gegenüber dem Finanzamt?
Auf den Philippinen mit einem Stapel behördlicher Papiere bis hin zur Ansässigkeitsbescheinigung. In Vietnam über Anwesenheit und Aufenthaltszweck, was erklärbar, aber schlechter vorzeigbar ist. Was der Stapel enthält, steht im Beitrag zum Barangay-Zertifikat.

