
Firmengründung
Wann du eine Firma brauchst.
Welche. Und wie man es richtig macht.
Erste Frage: Brauchst du überhaupt eine?
Wenn du komplett von passiven Einkünften lebst — Dividenden, Kursgewinne, Zinsen, Mieten, Krypto von ausländischen Börsen —, brauchst du womöglich gar keine operative Gesellschaft. Diese Einkommensströme sind für einen Resident Alien auf den Philippinen vollständig steuerfrei. Eine Holding-Struktur (etwa eine US-LLC) kann trotzdem sinnvoll sein — für Vermögensverwaltung, Banking-Zwecke oder Nachlassplanung —, aber sie ist nicht nötig, nur weil du umgezogen bist.
Eine Gesellschaft wird in dem Moment nötig, in dem du aktiv an Kunden fakturierst — als Berater, Entwickler, Designer, Agentur oder sonstiger aktiver Dienstleister. Ab da gibt es zwei robuste Hauptwege, plus einen dritten für einen Spezialfall.
Weg 1: Offshore-Gesellschaft mit ausländischer Geschäftsleitung
Für alle, die ausschließlich mit ausländischen Kunden arbeiten, ist eine außerhalb der Philippinen gegründete und echt von außerhalb geführte Gesellschaft oft die sauberste Lösung. Übliche Jurisdiktionen: Hongkong, BVI, Cayman Islands, Malta, USA (Delaware- oder Wyoming-LLC).
Das kritische Prinzip: Wenn du physisch auf den Philippinen bist und operativ arbeitest, solltest du nicht selbst als primärer Direktor auftreten. Sonst riskierst du eine philippinische Betriebsstätte (Permanent Establishment) — die Gesellschaft könnte als hier steueransässig gelten und ihre Gewinne der lokalen Steuer unterliegen.
Die korrekte Struktur: ein echter Direktor mit Sitz außerhalb der Philippinen, der ein reales Gehalt bezieht und reale Entscheidungsbefugnis ausübt — kein Erfüllungsgehilfe mit Unterschriftenmappe. Du selbst beziehst ein moderates Gehalt oder Honorar, das du lokal deklarierst und versteuerst.
Die Ausnahme mit Beweislast: Wer glaubhaft und dokumentiert nachweisen kann, die meiste Zeit außerhalb der Philippinen zu verbringen und die Geschäftsleitung im Ausland auszuüben, kann selbst Direktor sein. „Glaubhaft und dokumentiert" heißt Reisekalender, Board-Protokolle, Entscheidungen mit Orts- und Zeitstempel — nicht ein Papier-Arrangement.
Ergebnis: Gewinne thesaurieren offshore, außerhalb der philippinischen Steuerhoheit; die lokale Steuerlast beschränkt sich auf dein Gehalt. Und für Deutsche kommt der strukturelle Trumpf dazu: Das DBA von 1983 blockiert § 2 AStG — anders als beim Wegzug nach Dubai oder Paraguay reicht die deutsche erweiterte beschränkte Steuerpflicht hier nicht hinterher, sofern der Wegzug selbst sauber war.
Weg 2: Philippinische Gesellschaft in der Sonderwirtschaftszone
Für alle mit fester Davao-Präsenz und 100 % Auslandskundschaft — IT, Software, Design, Beratung — bietet die Gründung in einem PEZA-Gebiet oder einer Special Economic Zone (etwa rund um die Davao-Freeport-Standorte) handfeste Vorteile:
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Income Tax Holiday von 4–7 Jahren, je nach Zone
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danach reduzierte Körperschaftsteuer von 5 %
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volles legales Arbeitsrecht auf den Philippinen — die Struktur trägt deinen Status gleich mit
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Gewinne können zu reduzierten oder null Quellensteuersätzen an eine ausländische Holding ausgeschüttet werden
Diese Struktur passt zu allen, die voll präsent sein, sichtbar operieren und vielleicht lokal einstellen wollen — und trotzdem die Steuerlast minimieren. Sie ist komplexer als die Offshore-Variante und braucht ordentliche lokale Rechtsberatung, die wir koordinieren. Die ehrliche Entscheidungsregel zwischen Weg 1 und Weg 2: Je mehr dein Leben und Arbeiten wirklich in Davao stattfindet, desto mehr spricht für die Zone; je mobiler du bist, desto mehr für Offshore mit echter Fremdgeschäftsführung.
Weg 3: Gar keine eigene Firma — der Employer of Record
Der Spezialfall, den viele übersehen: Wenn dein eigentliches Ziel nicht die Gesellschaft ist, sondern ein sauberer Status samt Arbeitsrecht, brauchst du vielleicht keine eigene Struktur — sondern eine geliehene. Beim 9G via Employer of Record wird ein substanzhaltiges philippinisches Unternehmen dein formaler Arbeitgeber; du arbeitest unverändert für deine Auslandskunden, beziehst ein korrekt versteuertes lokales Gehalt und hältst die aufgeräumteste Akte, die ein Ausländer vorlegen kann. Für Solo-Professionals, die primär Banking-Lesbarkeit suchen, schlägt „mieten" das „bauen" regelmäßig — die ganze Abwägung steht auf der 9G-Seite.
Zwei Fälle aus der Praxis
Die Software-Beraterin, mobil. Kunden in der Schweiz und Deutschland, 60 % des Jahres unterwegs, Basis in Davao. Struktur: Hongkong-Gesellschaft mit echtem externem Direktor; sie selbst bezieht ein moderates, lokal versteuertes Honorar. Die Gewinne thesaurieren offshore, ihr Reisekalender und die Board-Dokumentation tragen die Struktur — und weil das DBA § 2 AStG blockiert, endete die deutsche Diskussion mit dem sauberen Wegzug, nicht zehn Jahre später.
Die Agentur, verwurzelt. Fünf Leute, davon drei lokal eingestellt, Büro in Davao, 100 % US- und EU-Kundschaft. Struktur: Zonen-Gesellschaft — Income Tax Holiday, danach der Minimalsatz, volle Sichtbarkeit, Arbeitsrecht inklusive, Ausschüttungen an die ausländische Holding zu Vorzugssätzen. Teurer im Aufbau, unschlagbar im Betrieb — weil hier nichts versteckt werden muss, denn nichts ist versteckt.
Zwei richtige Antworten auf zwei verschiedene Leben. Die falsche Antwort ist in beiden Fällen dieselbe: die Struktur des jeweils anderen zu kopieren, weil sie in einem Forum empfohlen wurde.
Die deutsche Seite: drei Prüfsteine vor jeder Gründung
Keine Struktur ist besser als der Wegzug, auf dem sie steht. Drei Punkte, die vor jeder Gründungsentscheidung geklärt gehören:
1. Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG): Hältst du 1 % oder mehr an einer Kapitalgesellschaft, stellt der Wegzug die Frage nach der Besteuerung stiller Reserven — *bevor* Anteile bewegt oder neue Strukturen aus alten befüllt werden. Reihenfolge entscheidet über echte Steuerbeträge.
2. Faktische Geschäftsleitung: Der Klassiker, der Strukturen killt — Verträge, Konten und Entscheidungen laufen faktisch weiter aus Deutschland (oder von deinem Laptop in Davao), während das Papier etwas anderes behauptet. Die Struktur ist nur so gut wie ihre gelebte Realität.
3. Konsistenz aller Papierlagen: Gesellschaftsvertrag, dein Visastatus, dein LinkedIn, deine Rechnungen und deine BIR-Registrierung müssen dieselbe Geschichte erzählen. Wir gleichen das ab, bevor irgendetwas gegründet wird — gern gemeinsam mit deinem deutschen Steuerberater.
Das Zusammenspiel mit Gehalt, Visum und Konto
Eine Struktur lebt nicht allein — sie muss mit drei Nachbarsystemen zusammenpassen, und genau an den Nahtstellen entstehen Fehler. Gehalt: Dein lokal versteuertes Gehalt oder Honorar ist das Scharnier zwischen Offshore-Gewinnen und philippinischem Alltag — hoch genug, um plausibel zu sein und dein Leben zu tragen, moderat genug, um die Thesaurierungslogik nicht zu untergraben. Wir setzen die Höhe bewusst, nicht per Bauchgefühl. Visum: Die Zonen-Gesellschaft bringt Arbeitsrecht mit; die Offshore-Variante braucht daneben einen eigenen Status — SRRV, SIRV oder Touristenroute, je nach Profil. Konto: Die Gesellschaft braucht ihr Geschäftskonto (Jurisdiktionswahl und Banking-Fähigkeit hängen zusammen — eine Gesellschaft, für die keine Bank ein Konto eröffnet, ist Dekoration), und deine private Seite folgt der Zwei-Konten-Architektur. Wer die drei Systeme einzeln optimiert, bekommt drei lokale Optima und ein globales Problem; wir bauen sie als eines.
Briefkastenfirmen machen wir nicht.
Keine Nominee-Direktoren, die täuschen sollen. Keine Shell-Gesellschaften ohne Substanz. Keine Konstruktionen, deren einziger Zweck der Anschein von Aktivität ist. Nicht, weil es überall illegal wäre — sondern weil es nicht hält. Steuerbehörden haben jede Version davon gesehen. Banken lehnen es ab. Und wenn es platzt, trägt die Folgen der Mandant. Wer echte Struktur mit echter Substanz will, dem bauen wir sie.
Wichtig: Diese Informationen sind allgemeiner Natur und keine Rechts- oder Steuerberatung. Strukturentscheidungen hängen stark von Wegzugsbesteuerung, Hinzurechnungsbesteuerung (AStG/CFC-Regeln) und deiner persönlichen Situation ab — zieh qualifizierte Berater hinzu. Genau diese Rechnung ist unser Beratungsmandat.
Häufige Fragen
Ich lebe nur von Dividenden und Krypto — brauche ich eine Firma?
Nein. Passive Auslandseinkünfte sind für Resident Aliens steuerfrei, ganz ohne Gesellschaft. Eine Holding kann für Banking oder Nachlass sinnvoll sein — Pflicht ist sie nicht.
Kann ich meine deutsche GmbH einfach von Davao aus weiterführen?
Vorsicht — gleich doppelt: Die faktische Geschäftsleitung aus den Philippinen kann die GmbH-Besteuerung verschieben, und deine Anteile werfen beim Wegzug die Frage der Wegzugsbesteuerung auf. Beides gehört strukturiert, bevor du gehst — nicht entdeckt, nachdem.
Welche Offshore-Jurisdiktion ist die beste?
Die, die zu Geschäftsmodell, Banking-Bedarf und Kundenstruktur passt — US-LLC, Hongkong, Malta und Co. haben je eigene Profile. Pauschalantworten aus Foren sind hier verlässlich falsch; die Auswahl ist Teil des Strukturkonzepts.
Was kostet eine PEZA-/Freezone-Gründung gegenüber Offshore?
Die Zone ist aufwendiger: lokale Gründung, Registrierung, laufende lokale Compliance — dafür erst der mehrjährige Income Tax Holiday, danach 5 % Körperschaftsteuer — und volles Arbeitsrecht inklusive. Offshore ist schlanker, verlangt aber die echte Fremdgeschäftsführung. Wir rechnen beide Varianten mit deinen Zahlen durch.
Blockiert das DBA wirklich den deutschen Zugriff auf meine Offshore-Gewinne?
Bei sauberem Wegzug und philippinischer Ansässigkeit fehlt Deutschland regelmäßig die Grundlage — inklusive der § 2-AStG-Blockade, die die Philippinen von abkommenslosen Zielen unterscheidet. Schlampig gelebt (faktische Leitung aus Deutschland, verfügbare Wohnung) kippt jede Struktur. Details: → DBA-Seite
Was passiert mit meiner Struktur, wenn ich die Philippinen wieder verlasse?
Gute Strukturen sind umzugsfähig: Die Offshore-Gesellschaft zieht mit dir (die Ansässigkeits- und Geschäftsleitungsfragen werden am neuen Ort neu beantwortet), die Zonen-Gesellschaft ist ortsgebunden und würde verkauft oder abgewickelt. Auch das gehört in die Anfangsentscheidung: Wer seinen Horizont offen hält, wählt tendenziell Offshore.
Wie lange dauert eine Gründung realistisch?
Offshore-Jurisdiktionen wie eine US-LLC oder Hongkong: Wochen, inklusive Konto oft der längste Teil. Die Zonen-Gesellschaft: Monate, weil Registrierung und Zonen-Zulassung dazukommen. In beiden Fällen gilt: Die Struktur-Entscheidung und die deutsche Wegzugsseite zuerst — die Gründung selbst ist der schnellste Teil des Projekts.
Arbeitet ihr mit meinem bestehenden Steuerberater zusammen?
Ausdrücklich ja — üblich ist die Arbeitsteilung: dein Berater behält die deutsche Deklaration, wir liefern Struktur- und Philippinen-Expertise, und wir sprechen miteinander statt übereinander.

Struktur ohne Umsetzung ist nur Theorie
Gesellschaft gründen, Geschäftskonto eröffnen, Compliance am Laufen halten — genau hier scheitern die meisten Offshore-Arrangements: Die Struktur stimmt auf dem Papier, die Ausführung bleibt unvollständig. Unser Team koordiniert den kompletten Prozess — Jurisdiktionswahl, Gründung, Kontoeröffnung, laufende Compliance — und arbeitet dabei mit deinen bestehenden Beratern zusammen statt gegen sie.