Es gibt Steuersysteme, die man erklären muss, und solche, die man vor allem *glauben* muss. Das philippinische gehört zur zweiten Sorte: Als steuerlich ansässiger Ausländer zahlst du auf den Philippinen nur Steuern auf Einkünfte, die aus philippinischen Quellen stammen. Deine deutsche Rente, deine Dividenden aus dem Depot in Frankfurt, deine Kryptogewinne auf einer ausländischen Börse, dein Online-Business mit europäischen Kunden: Für die philippinische Steuerbehörde schlicht nicht existent. Auch dann nicht, wenn du das Geld auf dein Konto in Davao überweist.
Das ist kein Sonderprogramm, kein Non-Dom-Regime mit Ablaufdatum, keine Verhandlungssache. Es ist das ganz normale Territorialprinzip des philippinischen Steuerrechts: dieselbe Regel, nach der Millionen Filipinos im Ausland (die OFWs) ihr dort verdientes Geld steuerfrei nach Hause schicken. Du profitierst von einer Systementscheidung, nicht von einem Schlupfloch.
Diese Seite erklärt, wie das System funktioniert, welcher Status dafür entscheidend ist, was mit Kapitalerträgen und Krypto passiert, und warum die eigentliche Steuerarbeit für Auswanderer aus dem deutschsprachigen Raum nicht in Manila stattfindet, sondern zu Hause.

Der Status, an dem alles hängt: Resident Alien
Das philippinische Einkommensteuerrecht sortiert Ausländer in Kategorien, und der Unterschied zwischen ihnen ist dramatisch:
Resident Alien: der Status, den du willst. Du giltst als steuerlich ansässiger Ausländer, wenn du dich mehr als 183 Tage im Kalenderjahr im Land aufhältst oder über einen Aufenthaltstitel verfügst, der auf dauerhafte bzw. langfristige Präsenz angelegt ist: SRRV, SIRV, 13A oder 9G. Der zweite Weg ist der unterschätzte: Mit dem passenden Visum bist du Resident Alien, ohne die 183 Tage physisch absitzen zu müssen. Für alle, die mobil bleiben wollen, ist das der Schlüssel zum ganzen Modell.
Als Resident Alien gilt: nur philippinische Einkünfte steuerpflichtig, progressiver Tarif (bis 35 %) auf Netto-Basis mit Abzügen, voller Zugang zum System der Steuerbehörde BIR: eigene Steuernummer (TIN), ordentliche Erklärungen, und auf Antrag das Certificate of Tax Residency, das offizielle Ansässigkeitszertifikat für Finanzämter und Banken in der Heimat.
Non-Resident Alien, Engaged in Trade or Business (NRA-ETB). Wer ohne Ansässigkeit wirtschaftlich im Land tätig ist und sich länger als 180 Tage aufhält, versteuert seine philippinischen Einkünfte ebenfalls progressiv, aber ohne den vollen Systemzugang des Residents.
Non-Resident Alien, Not Engaged in Trade or Business (NRA-NETB). Die teuerste Kategorie: Kurzaufenthalter ohne dauerhafte Aktivität zahlen auf philippinische Einkünfte pauschal 25 % auf brutto: keine Abzüge, keine Freibeträge, keine Ausgaben. Wer als Durchreisender einen lokalen Auftrag annimmt, lernt diese Kategorie unfreiwillig kennen.
Die Konsequenz ist eindeutig, und wir sprechen sie jedem Mandanten gegenüber aus: Positioniere dich bewusst als Resident Alien: über die Aufenthaltsdauer oder, eleganter, über den Visastatus. Alles andere verschenkt entweder Geld oder Rechtssicherheit.
Kapitalerträge und Krypto: Die Übersicht
Für Resident Aliens gilt die territoriale Logik durchgehend, mit klaren Regeln auf beiden Seiten der Grenze:
Aus ausländischen Quellen: steuerfrei. Zinsen und Dividenden aus deutschen, amerikanischen oder sonstigen nicht-philippinischen Wertpapieren; Kursgewinne aus dem Verkauf von Aktien, ETFs und Fonds über ausländische Depots; Kryptogewinne über ausländische Börsen und Wallets. Die Überweisung ins Land ändert daran nichts: Besteuert wird nach Quelle, nicht nach Geldfluss.
Aus philippinischen Quellen: eigene Sätze. Dividenden philippinischer Unternehmen unterliegen einer Quellensteuer von 10 %, Zinsen auf lokale Bankguthaben typischerweise 20 %. Kursgewinne aus philippinischen Aktien werden mit 15 % Kapitalgewinnsteuer belegt; beim Verkauf börsennotierter Titel über die philippinische Börse fällt zusätzlich eine Stock Transaction Tax von 0,6 % auf den Bruttowert an. Krypto-Handel über philippinische Börsen oder Mining im Land gilt als inländisch und ist steuerpflichtig.
Die Landkarte deines Vermögens entscheidet also über die Steuer: Wer seine Erträge außerhalb des Landes generiert (und das ist bei deutschen Auswanderern der Normalfall) lebt hier mit einer Kapitalertragsbesteuerung von null. Wie du Depots und Wallets sauber der richtigen Seite zuordnest, klären wir in der Beratung.
Aktives Einkommen, Firmen & Strukturen
Arbeitest du von den Philippinen aus, wird es eine Frage der Struktur. Reines Passiv-Einkommen (Dividenden, Zinsen, Mieten, Krypto aus dem Ausland) braucht gar keine Gesellschaft. Sobald du aktiv fakturierst (Beratung, Software, Agentur), führen zwei robuste Wege zum Ziel: die Offshore-Gesellschaft mit echter ausländischer Geschäftsleitung, bei der du vor Ort ein korrekt versteuertes Gehalt beziehst und die Gewinne außerhalb der philippinischen (und deutschen) Steuerhoheit thesauriert werden, oder die philippinische Gesellschaft in einer Sonderwirtschaftszone (PEZA/Freeport) mit Income Tax Holiday und danach 5 % Körperschaftsteuer für Exportdienstleister mit reiner Auslandskundschaft. Beide Modelle, ihre Fallstricke (Stichwort Betriebsstätte) und die Entscheidungslogik: → Firmengründung auf den Philippinen
Und wenn ich doch philippinische Einkünfte habe?
Kein Beinbruch, nur eine normale Steuerpflicht. Nimmst du einen lokalen Job an, vermietest du dein Condo in Davao oder verdienst du an philippinischen Kunden, greift der progressive Einkommensteuertarif: niedrige Einkommen weitgehend freigestellt, dann ansteigende Stufen bis zum Spitzensatz von 35 %, auf Netto-Basis, mit abzugsfähigen Kosten. Lokale Mieteinnahmen bleiben nach Abzug der Bewirtschaftungskosten oft überschaubar besteuert, und ein lokales Gehalt wird per Lohnsteuerabzug erfasst wie überall. Zwei Dinge gehören dabei bewusst entschieden: Erstens verändert lokales Einkommen deine Papierlage: Aus der Nil Return wird eine echte Erklärung. Zweitens entsteht die Steuerpflicht auch versehentlich schnell: Wer „nur kurz" einen philippinischen Auftrag annimmt, hat philippinische Quelle geschaffen. Die Quellen-Landkarte gehört deshalb geplant, nicht entdeckt.
Der Steuerkalender: Was wann fällig ist
Das philippinische Steuerjahr ist das Kalenderjahr; die Jahreserklärung (bzw. deine Nil Return) wird im Frühjahr des Folgejahres fällig. Dazu kommen bei lokalem Einkommen unterjährige Anmeldungen, die dein Setup bestimmen. Für die meisten Auswanderer ohne philippinische Einkünfte reduziert sich der Kalender aber auf einen einzigen Termin im Jahr plus die Verlängerungszyklen von Zertifikat und Registrierung. Wir führen diesen Kalender für Mandanten mit: Erinnerung, Einreichung, Ablage. Auf der deutschen Seite läuft parallel dein eigener Kalender (beschränkte Steuerpflicht auf deutsche Einkünfte, Erklärungsfristen). Auch dafür gilt: einmal sauber aufgesetzt, dann Routine.
Die CRS-Position: Vorteil mit Verfallsdatum?
Die Philippinen nehmen derzeit nicht am automatischen Informationsaustausch (OECD-CRS) teil: Philippinische Banken melden Kontodaten nicht automatisch an europäische Steuerbehörden. Das ist ein rechtmäßiger, realer Unterschied zu jedem EU-Konto, und in Kombination mit dem Zugang zum Bankenplatz Singapur ein Baustein echter finanzieller Privatsphäre. Zwei ehrliche Einordnungen dazu: Erstens hat das Land Beitrittsabsichten signalisiert: Plane die CRS-Freiheit als heutigen Zustand, nicht als Ewigkeitsgarantie. Zweitens ersetzt Privatsphäre keine Legalität: Unsere Konzepte funktionieren auch dann, wenn jede Behörde jedes Konto sieht. Wer Geheimhaltung als tragende Wand braucht, baut falsch.
Die deutsche Seite: Wo die eigentliche Arbeit liegt
Hier der Punkt, den philippinische Buchhalter nicht kennen und deutsche Foren gern überspringen: Die philippinische Steuerfreiheit nützt dir nur so viel, wie deine deutsche Steuerpflicht sauber beendet ist. Die Reihenfolge steht auf der Auswandern-Seite im Detail; die Kurzfassung: Wohnsitz und gewöhnlicher Aufenthalt in Deutschland wirklich aufgeben, Wegzugsbesteuerung bei GmbH-Beteiligungen vorher strukturieren, und dann das Doppelbesteuerungsabkommen für deine Einkunftsarten arbeiten lassen, inklusive seines stärksten Effekts, der Blockade der erweiterten beschränkten Steuerpflicht (§ 2 AStG). Renten, Mieten und deutsche Dividenden folgen dabei jeweils eigenen Regeln.
Diese Rechnung (deutsche Seite, philippinische Seite, DBA dazwischen) ist genau das Mandat unserer deutschsprachigen steuerlichen Beratung. Erst rechnen, dann packen.
Praktisch: TIN, BIR und die Nil Return
Die Registrierung ist unspektakulärer als ihr Ruf: Mit Mietvertrag und Pass beantragen wir deine TIN (Steuernummer) und registrieren dich beim Bureau of Internal Revenue als Resident Alien. Die TIN brauchst du ohnehin für Bankkonto, ACR-Karte und fast jeden offiziellen Vorgang. Ohne philippinische Einkünfte besteht danach keine materielle Steuerlast; viele Mandanten geben freiwillig eine „Nil Return" ab: eine Null-Erklärung, die die Registrierung aktiv hält und den Weg zum Certificate of Tax Residency glatt macht. Papierlage sauber, Vorteile abrufbar, Aufwand minimal. Genau dieses Paket bauen wir standardmäßig mit auf: → Unsere Services
Ein Wort zu Belegen und Dokumentation
Das territoriale System ist großzügig, aber es ist ein System für Leute mit ordentlichen Unterlagen. Wenn eine deutsche Bank, ein Finanzamt oder eine philippinische Behörde irgendwann fragt, woher dein Geld stammt und wo du ansässig bist, gewinnst du mit Dokumenten, nicht mit Erklärungen: Mietvertrag, TIN, BIR-Registrierung, Nil Returns der letzten Jahre, Certificate of Tax Residency, Kontoauszüge mit nachvollziehbaren Quellen. Wir empfehlen jedem Mandanten einen simplen digitalen Ordner mit genau diesen Dokumenten, jährlich ergänzt: zwanzig Minuten Pflege im Jahr für die Fähigkeit, jede Nachfrage in fünf Minuten zu beantworten. Es ist die billigste Versicherung im ganzen Setup.
Schenken und Vererben: Die 6% der Philippinen sind nicht dein Problem
Wer aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz auf die Philippinen zieht und irgendwann Vermögen an Kinder oder Partner weitergeben will, googelt früher oder später die philippinische Schenkungsteuer und erschrickt: Es gibt eine. Die Entwarnung vorweg: Sie ist niedrig, planbar und legal leicht zu minimieren. Das eigentliche Risiko sitzt woanders, nämlich zu Hause, und es reist mit.
Die philippinische Donor's Tax: flach, niedrig, planbar
Die Philippinen besteuern Schenkungen mit pauschal 6% auf den Betrag oberhalb von 250.000 Pesos pro Kalenderjahr (rund 4.000 Euro), unabhängig vom Verwandtschaftsgrad. Die Erbschaftsteuer (Estate Tax) folgt derselben Logik: 6%, mit Standardabzügen. Verglichen mit deutschen Sätzen von bis zu 30% unter Kindern und bis zu 50% in ungünstigen Konstellationen ist das fast dekorativ.
Wer sie schuldet, hängt vom Status ab:
- •Philippinische Staatsbürger und Resident Aliens zahlen auf weltweite Schenkungen.
- •Nonresident Aliens zahlen nur auf Vermögen mit Belegenheit auf den Philippinen; für immaterielle Werte (Aktien, Konten) kann eine Gegenseitigkeits-Befreiung selbst das entfallen lassen.
Und jetzt der Punkt, den fast alle falsch verstehen: Ein Visum ist keine Steueransässigkeit. Ob du Resident Alien bist, ist eine Tatsachenfrage. Der philippinische Supreme Court stellt auf die tatsächliche, physische Ansässigkeit ab, nicht auf den Stempel im Pass. Ein SRRV oder Quota-Visum allein macht dich nicht zum Resident Alien. Wer das Visum hält, aber kaum Zeit im Land verbringt und dort keinen Wohnsitz führt, bleibt für diese Steuern Nonresident Alien, und das Weltvermögen liegt komplett außerhalb des philippinischen Netzes.
Daraus ergibt sich das legale Vermeidungs-Playbook:
1. Visum ist nicht Steuerstatus. Das Aufenthaltsvisum ohne tatsächliche Ansässigkeit lässt dich Nonresident Alien bleiben: Nur Vermögen mit philippinischer Belegenheit ist überhaupt erfassbar, Immaterielles fällt über die Gegenseitigkeitsregel oft ganz heraus. Wer das Visum als Option hält statt als Lebensmittelpunkt, hat das Donor's-Tax-Thema damit weitgehend erledigt.
2. Timing. Größere Übertragungen von Nicht-Philippinen-Vermögen, die du vor der tatsächlichen Ansässigkeitsbegründung machst, liegen komplett außerhalb des Systems.
3. Wer wirklich auf den Philippinen leben will: ein Trust, errichtet bevor du Resident Alien wirst. Vermögen, das du vor Begründung der philippinischen Ansässigkeit unwiderruflich in einen sauber strukturierten Trust einbringst, gehört für die philippinische Schenkung- und Erbschaftsteuer nicht mehr zu deinem persönlichen Vermögen; widerrufliche Konstruktionen leisten das nicht. Die ehrliche Warnung für deutsche Staatsbürger: Aus deutscher Sicht bringt der Trust nichts. Deutschland schaut durch die Struktur hindurch, deine Fünfjahresfrist läuft unverändert, und schon die Dotierung eines Trusts kann deutsche Schenkungsteuer auslösen, solange du im deutschen Netz bist. Der Trust wirkt für die philippinische Seite, nicht gegen die deutsche. Genau deshalb ist das eine Gestaltung für sorgfältige, professionelle Planung, mit der richtigen Reihenfolge von Errichtung, Wegzug und Ansässigkeit, und nichts zum Nachbauen aus dem Internet.
4. Jahresfreibetrag nutzen. 250.000 Pesos pro Jahr, jedes Jahr. Wiederkehrende Unterstützung, über Kalenderjahre verteilt, bleibt steuerfrei. Und wo die 6% greifen: Auf eine größere Einmalübertragung sind sie oft billiger als jede Gestaltung, die sie vermeiden soll.
5. Fristgerecht melden. BIR Form 1800, 30 Tage nach der Schenkung. Die Steuer ist mild, die Säumniszuschläge sind es nicht.
Kurz: Die Donor's Tax ist ein Planungsdetail.
Die Estate Tax: derselbe Mechanismus im Todesfall
Alles oben hat ein Spiegelbild für den Erbfall, und es funktioniert identisch. Die philippinische Erbschaftsteuer (Estate Tax) beträgt pauschal 6% auf den Nettonachlass. Bei Residents und Staatsbürgern zählt der weltweite Nachlass, abgefedert durch einen Standardabzug von 5.000.000 Pesos (automatisch, ohne Nachweise) und einen Familienheim-Abzug von bis zu 10.000.000 Pesos. Beim Nonresident Alien wird nur Vermögen mit philippinischer Belegenheit besteuert, mit kleinerem Standardabzug von 500.000 Pesos und derselben Gegenseitigkeits-Befreiung für immaterielle Werte.
Es gilt also dieselbe Logik:
- •Visum ohne tatsächliche Ansässigkeit: Nur dein Philippinen-Vermögen (etwa ein Condo) sieht die 6% überhaupt, und die Abzüge können selbst das auf null bringen.
- •Tatsächliche Ansässigkeit: Der weltweite Nachlass ist drin, zu einem Satz, den jeder deutsche Erbe in Steuerklasse II oder III sofort unterschreiben würde.
- •Der Trust vor der Ansässigkeit nimmt Vermögen auch aus dieser Steuer heraus; genau dafür wird er vor der Ansässigkeitsbegründung errichtet.
Zwei praktische Hinweise für die Erben: Die Estate-Tax-Erklärung (BIR Form 1801) ist binnen eines Jahres nach dem Tod fällig, und philippinische Banken behalten auf Abhebungen vom Konto eines Verstorbenen 6% final ein, bis der Nachlass geregelt ist. Halte deine Unterlagen so, dass deine Erben sie finden.
Respekt verdient etwas anderes.
Die deutsche Falle: fünf Jahre Schatten, und länger
Deutschland lässt seine Staatsbürger steuerlich nicht einfach gehen. Drei Mechanismen musst du kennen:
Erstens: die 5-Jahres-Regel. Deutsche Staatsangehörige bleiben nach dem Wegzug noch fünf Jahre unbeschränkt erbschaft- und schenkungsteuerpflichtig, mit dem Weltvermögen (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 b ErbStG). Stirbst du im Jahr drei nach dem Umzug nach Davao, greift die deutsche Erbschaftsteuer, als wärst du nie gegangen. Dasselbe gilt für Schenkungen in diesem Fenster.
Zweitens: die Regel wirkt an beiden Enden. Es genügt, dass einer von beiden, Schenker oder Empfänger, als Inländer gilt. Leben deine Kinder in Deutschland, ist jede Schenkung und jede Erbschaft an sie dauerhaft voll in Deutschland steuerpflichtig, egal wie lange du selbst schon weg bist. Der Wegzug befreit deine Übertragung nur, wenn auch die Empfängerseite draußen ist.
Drittens: die Wohnsitz-Falle. Wer das Haus in Deutschland behält und nutzbar hält, hat weiterhin einen Wohnsitz, und die Fünfjahresfrist beginnt gar nicht erst zu laufen. Die unbeschränkte Steuerpflicht besteht dann unverändert fort. Sauberer Wegzug heißt auch erbschaftsteuerlich: Wohnsitz wirklich aufgeben.
Dazu kommt: Ein Doppelbesteuerungsabkommen für Erbschaften zwischen Deutschland und den Philippinen existiert nicht (Deutschland hat überhaupt nur eine Handvoll ErbSt-Abkommen). Doppelbesteuerung wird nur über die Anrechnung nach § 21 ErbStG abgefedert. Und selbst nach den fünf Jahren bleibt deutsches Inlandsvermögen (Immobilien, wesentliche Beteiligungen) beschränkt steuerpflichtig; bei fortbestehenden wesentlichen wirtschaftlichen Interessen in Deutschland kann die erweiterte beschränkte Steuerpflicht die Reichweite nochmals verlängern. Spätestens hier gehört ein Berater an den Tisch.
Die gute Nachricht: Die deutschen Freibeträge laufen weiter, 500.000 Euro für Ehepartner, 400.000 Euro je Kind, alle zehn Jahre neu. Wer den Wegzug kennt, plant Übertragungen um ihn herum: Freibeträge vor dem Umzug ausschöpfen, große Übertragungen entweder vor den Wegzug ziehen oder hinter das Fünfjahresfenster legen, und bei Empfängern in Deutschland realistisch mit deutscher Steuer kalkulieren statt auf ein Entkommen zu hoffen.
Österreich und die Schweiz: Österreicher haben es leichter, Österreich erhebt seit 2008 keine Erbschaft- und Schenkungsteuer mehr (Schenkungen sind ab Schwellenwerten meldepflichtig, Zuwendungen an Privatstiftungen gesondert belastet). In der Schweiz ist die Steuer kantonal geregelt; Ehepartner und in den meisten Kantonen auch die eigenen Kinder sind befreit, womit der Wegzug für die typische Familienübertragung entspannt ist. Die Detailprüfung bleibt Kantonssache.
Und wer eine UK-Vergangenheit hat: Großbritannien hat seine Erbschaftsteuer zum 6. April 2025 von Domizil auf Ansässigkeit umgestellt. Wer 10 der letzten 20 Steuerjahre in UK ansässig war, bleibt nach dem Wegzug 3 bis 10 Jahre mit dem Weltvermögen in der britischen IHT (40% oberhalb des Freibetrags) gefangen. Details auf unserer englischen Steuerseite.
Dieser Abschnitt ist Orientierung, keine Steuerberatung. Grenzüberschreitende Nachlassplanung gehört zu den Themen, bei denen wir früh die richtigen Fachleute an den Tisch holen, auf Deutsch. Sprich mit uns, bevor du umziehst, nicht danach.
Häufige Fragen
Welche Steuern zahle ich auf den Philippinen, wenn ich dort lebe?
Nur auf Einkünfte aus philippinischen Quellen: lokaler Job, lokale Vermietung, lokale Kapitalerträge. Ohne solche Einkünfte zahlst du nichts und gibst allenfalls eine Nil Return ab.
Was genau ist der Unterschied zwischen Resident und Non-Resident Alien?
Beide versteuern nur philippinische Quellen, aber der Resident Alien progressiv auf Netto-Basis mit vollem BIR-Zugang, der Non-Resident ohne Geschäftstätigkeit pauschal mit 25 % auf brutto, ohne jeden Abzug. Der Statusunterschied ist bares Geld.
Wie werde ich Resident Alien, ohne 183 Tage im Land zu sein?
Über einen langfristigen Aufenthaltstitel: SRRV, SIRV, 13A oder 9G. Der Visastatus ersetzt die Tageszählung.
Sind meine Kryptogewinne wirklich steuerfrei?
Aus ausländischen Börsen und Wallets: ja, als ausländische Einkünfte. Handel über philippinische Börsen oder Mining im Land: steuerpflichtig. Die Grenze verläuft entlang der Quelle, nicht entlang der Coin.
Melden philippinische Banken mein Konto nach Deutschland?
Derzeit nicht: Die Philippinen nehmen nicht am CRS teil. Das ist ein legitimer Privatsphäre-Vorteil, aber kein Fundament: Unsere Gestaltungen sind so gebaut, dass sie volle Transparenz aushalten.
Bekomme ich ein offizielles Ansässigkeitszertifikat?
Ja: Nach erfolgreicher BIR-Registrierung beantragen wir das Certificate of Tax Residency, das Standarddokument für deutsche Finanzämter, Banken und Depotstellen.
Ich ziehe mit 45 nach Davao und will meinem Sohn in München 300.000 Euro schenken. Was passiert?
Philippinisch: 6% auf den Teil oberhalb von 250.000 Pesos, sobald du tatsächlich auf den Philippinen ansässig bist (das Visum allein löst das nicht aus), also überschaubar. Schenkst du vor der Ansässigkeitsbegründung, ist philippinisch gar nichts. Deutsch: Dein Sohn ist Inländer, die Schenkung ist voll in Deutschland steuerpflichtig, zeitlich unbegrenzt. Innerhalb des Freibetrags von 400.000 Euro je Kind und Zehnjahreszeitraum fällt trotzdem keine deutsche Steuer an. Die Reihenfolge und die Zehnjahresfenster sind der Hebel, nicht der Umzug.
Reicht es, wenn ich fünf Jahre warte und dann alles übertrage?
Nur, wenn auch die Empfänger seit über fünf Jahren aus Deutschland weg sind (oder nie Inländer waren). Bleiben die Erben in Deutschland, bleibt die deutsche Steuer, dauerhaft. Dann gewinnt, wer Freibeträge, Zehnjahresrhythmus und Vermögensstruktur früh und nüchtern plant.
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