Dieser Vergleich braucht einen unbequemen Einstieg, denn das populäre Bild ist veraltet: Portugal ist nicht mehr das Niedrigsteuerland aus den Auswanderer-Videos von 2019. Das Non-Habitual-Resident-Regime wurde abgewickelt und durch einen deutlich schmaleren Nachfolger für bestimmte Berufe ersetzt. Für die meisten Neuankömmlinge gilt: normale portugiesische Steuer, und die ist hoch. Die ehrliche Rahmung lautet also: Portugal ist heute ein Lifestyle-und-Pass-Angebot. Die Philippinen sind das Steuer-Angebot.
| Philippinen | Portugal | |
|---|---|---|
| Steuer auf Auslandseinkommen | Territorial: für Resident Aliens steuerfrei | Weitgehend steuerpflichtig zu hohen progressiven Sätzen; NHR-Vorteile für die meisten Geschichte |
| Weg zur Staatsbürgerschaft | Sehr lang und schwierig | EU-Pass realistisch nach rund fünf Jahren |
| Residency-Programm | SRRV ab 40 | D7, Nomad-Visum, umgebautes Golden Visa |
| Lebenshaltungskosten | Sehr niedrig | Moderat bis hoch: Lissabon ist teuer geworden |
| Banking & CRS | Derzeit außerhalb des CRS | EU, im CRS |
| Immobilien | Nur Condos, kein Land | Volles Freehold für Ausländer |
| DBA mit Deutschland | Ja (1983): blockiert § 2 AStG | Ja, aber bei hoher portugiesischer Steuer schützt es vor dem Falschen |
| Mobilität | Nur philippinischer Aufenthalt | Schengen + Route zum EU-Pass |
| Klima & Lebensgefühl | Tropisch | Mild-europäisch, EU-Alltag |
Hervorgehobene Zelle: die stärkere Option der Zeile. Regeln ändern sich laufend: vor einer Entscheidung aktuellen Stand prüfen.
Wo Portugal gewinnt, ehrlich
Portugal bietet, was die Philippinen nicht können: eine realistische Route zum EU-Pass nach rund fünf Jahren, mit der Schengen-Mobilität und Absicherung, die daran hängen. Dazu volles Freehold-Eigentum, mildes Klima und europäischer Alltag innerhalb der EU. Für alle, deren langes Spiel ein zweiter EU-Pass ist (oder deren Partner auf Europa besteht), sind das entscheidende Vorteile, und für Nicht-EU-Bürger ist die Pass-Route ein echtes Asset.
Wo die Philippinen gewinnen, und warum der Steuer-Mythos zählt
Bei der Steuer gewinnen die Philippinen inzwischen klar. Das NHR-Ende bedeutet: Die meisten Neuzugänge zahlen in Portugal hohe progressive Steuern. Ein philippinischer Resident Alien zahlt auf Auslandseinkommen nichts. Wer Portugal heute noch „wegen der Steuern" wählt, arbeitet mit Informationen von vorgestern. Dazu sind die Philippinen deutlich günstiger (Lissabon hat westeuropäisches Preisniveau erreicht) und stehen derzeit außerhalb des CRS.
Die deutsche Steuerbrille: die besondere Pointe
Für Deutsche hat dieser Vergleich eine Ironie, die kaum jemand ausspricht: Ausgerechnet der Auswanderer-Klassiker Portugal ist steuerlich zum Seitwärtszug geworden. Deutschland und Portugal haben selbstverständlich ein DBA, aber ein Abkommen verteilt nur Besteuerungsrechte; es senkt keine Sätze. Wer aus der deutschen Progression in die portugiesische zieht, hat den Wohnort getauscht, nicht die Steuerlast. § 2 AStG ist hier schlicht kein Thema: Portugal ist kein Niedrigsteuerland mehr, und genau das ist das Problem. Die philippinische Kombination (Territorialsystem plus DBA plus § 2-AStG-Blockade) löst dagegen beide deutschen Fragen gleichzeitig: die laufende Steuer und den Nachgriff. Bleibt Portugals echtes Asset, der EU-Pass, der für deutsche Staatsbürger allerdings deutlich weniger wiegt als für alle anderen: Du hast schon einen. Was für Deutsche übrig bleibt, ist ein teuer bezahltes Lebensgefühl: legitim als Wahl, aber keine Strukturentscheidung.
Der Kostenvergleich, konkret
Lissabon 2026 ist kein Geheimtipp-Preisniveau mehr: Ein-Zimmer-Mieten in brauchbarer Lage bewegen sich auf deutschem Großstadtniveau, und die Nebenkosten des Alltags (Restaurants, Handwerker, Versicherungen) sind kräftig nachgezogen. Die komfortable Davao-Stufe (möbliert, bewacht, Pool, 330–580 €) hat in Lissabon oder Porto schlicht kein Gegenstück; Vergleichbares kostet ein Mehrfaches. Dazu die Steuer-Ebene: Ein Auswanderer mit 100.000 € Auslandseinkommen behält auf den Philippinen (brutto gleich netto vor deutscher Restpflicht) die volle Summe; in Portugal geht ein progressiver Anteil an den Fiskus, Jahr für Jahr. Über fünf Jahre summiert sich der Unterschied aus Steuer plus Lebenskosten für viele Profile in den sechsstelligen Bereich: der Preis, den Portugals Lebensgefühl und Pass-Route kosten. Für manche ist er es wert; er sollte nur nie unbeziffert bleiben.
Das Urteil
Wähle Portugal, wenn du keinen EU-Pass hast und einen willst, oder wenn europäischer Alltag für dich unverhandelbar ist, und du akzeptierst, dass es steuerlich keine Verbesserung mehr ist. Wähle die Philippinen, wenn deine Priorität eine echte Niedrigsteuer-Position mit Abkommensschutz und niedrigen Kosten ist. Für deutsche Staatsbürger ist die Rechnung ungewöhnlich eindeutig: Portugals Trumpf steckt bereits in deiner Tasche.
Häufige Fragen
Ist das NHR-Regime wirklich komplett weg?
Für die meisten: ja. Der Nachfolger (IFICI, „NHR 2.0") gilt eng umrissen für bestimmte qualifizierte Tätigkeiten. Die pauschalen Vorteile des alten Regimes für Rentner und Kapitaleinkünfte existieren nicht mehr.
Lohnt Portugal für deutsche Rentner noch?
Steuerlich nicht mehr: Deutsche Renten treffen dort auf normale progressive Besteuerung. Die Philippinen besteuern ausländische Renten gar nicht; offen bleibt nur die deutsche Seite. → Die Rentner-Rechnung
Kann ich Philippinen-Basis und Europa-Zeit kombinieren?
Ja, das ist das Plan-B-Modell: philippinische Ansässigkeit als steuerlicher Anker ohne Mindestaufenthalt, Europa-Aufenthalte innerhalb der Grenzen, die deine deutsche Nicht-Ansässigkeit nicht gefährden. → So funktioniert es


