Montenegro hat ein Imageproblem der besonderen Art: Es wird immer noch mit Zahlen beworben, die nicht mehr gelten. Der berühmte niedrige Pauschaltarif auf Einkommen wurde durch einen gestuften Tarif ersetzt, und das Programm für eine Staatsbürgerschaft durch Investition ist ausgelaufen. Wer heute liest, was 2019 geschrieben wurde, plant gegen eine Rechtslage, die es nicht mehr gibt.
Was bleibt, ist trotzdem interessant: Adria, Euro als Zahlungsmittel, zwei Flugstunden nach Mitteleuropa und ein Land, das ernsthaft auf dem Weg in die EU ist. Das ist ein Angebot, aber es ist ein anderes als das beworbene.
Philippinen oder Montenegro: der Vergleich im Überblick
| Philippinen | Montenegro | |
|---|---|---|
| Steuer auf Auslandseinkommen | Steuerfrei als Resident Alien | **Weltweites Einkommen ist steuerpflichtig**, mit gestuftem Tarif statt des früheren Pauschalsatzes |
| Residency-Programm | SRRV ab 40, Deposit ab 10.000 USD, unbefristet | Aufenthalt über Arbeit, Firmengründung oder Immobilienerwerb; **das Staatsbürgerschaftsprogramm ist ausgelaufen** |
| Lebenshaltungskosten | Davao komfortabel ab rund 1.450 Euro im Monat | Im Landesinneren günstig, an der Küste in der Saison teuer |
| Banking & CRS | Konten machbar, kein CRS-Austausch | Konten machbar, Bankenlandschaft klein |
| Währung | Peso, weich | Euro als Zahlungsmittel, **ohne Mitglied der Eurozone zu sein** |
| Immobilien | Condo ja, Land nein | Wohnungen und Gebäude für Ausländer zugänglich, Agrarland eingeschränkt |
| DBA mit Deutschland | Ja (DBA 2013, anwendbar ab 2016): § 2 AStG läuft leer | Ja, vorhanden |
| Anbindung | Davao mit einem Umstieg, rund einen Tag unterwegs | **Zwei Stunden nach Mitteleuropa**, saisonal viele Direktflüge |
| Gesundheit | Gute Privatkliniken in Davao, Singapur in Reichweite | Grundversorgung ok, für Ernsteres geht man ins Ausland |
Hervorgehobene Zelle: die stärkere Option der Zeile. Regeln ändern sich laufend: vor einer Entscheidung aktuellen Stand prüfen.
Wo Montenegro gewinnt, ehrlich
Die Lage ist außergewöhnlich. Die Bucht von Kotor gehört zu den schönsten Küstenabschnitten Europas, und zwei Flugstunden von Mitteleuropa entfernt gibt es nichts Vergleichbares zu diesen Preisen.
Der Euro ist Zahlungsmittel, obwohl Montenegro nicht zur Eurozone gehört. Für dich als Zuzügler aus dem Euroraum heißt das: kein Umrechnungsverlust, keine Währungsspekulation, keine Anpassung der Lebenshaltung an einen Wechselkurs.
Immobilien sind zugänglich und im Landesinneren nach wie vor günstig, mit einem Grundbuchsystem, das funktioniert.
Und die EU-Perspektive ist real. Montenegro ist Beitrittskandidat und in den Verhandlungen weiter als die meisten Nachbarn. Wer darauf setzt, kauft heute in einem Land, das in einigen Jahren zur Union gehören könnte. Das ist eine Wette, aber keine unvernünftige.
Wo die Philippinen gewinnen
Montenegro besteuert dein Welteinkommen. Das ist der Punkt, den die alten Artikel verschweigen, weil sie aus einer Zeit stammen, in der der Satz sehr niedrig und einheitlich war. Heute gilt ein gestufter Tarif, und die Grundlogik ist unverändert geblieben: Als Ansässiger bist du mit dem, was du weltweit verdienst, steuerpflichtig. Dein deutsches Depot ist damit im Netz.
Auf den Philippinen ist es das nicht. Ausländisches Einkommen eines Resident Alien ist nicht steuerbar, unabhängig vom Satz, weil es gar nicht erst in die Bemessung fällt.
Es gibt keinen Weg für Ruheständler. Montenegro kennt kein Produkt, das dem SRRV entspricht. Der Aufenthalt läuft über Arbeit, eine Firmengründung oder Immobilieneigentum, und jede dieser Varianten bringt laufende Pflichten mit, die du erfüllen musst, um den Status zu behalten.
Das Staatsbürgerschaftsprogramm ist ausgelaufen. Wer Montenegro wegen des Passes auf dem Zettel hatte, kann den Punkt streichen. Angebote, die es heute noch bewerben, arbeiten mit veraltetem Material.
Und die Gesundheitsversorgung trägt im Ernstfall nicht. Für Routine reicht sie, für alles Ernstere fährt man nach Belgrad, Wien oder Italien. Das ist machbar, solange man gesund ist, und es ist der Punkt, an dem es kippt, wenn man es nicht mehr ist.
Die deutsche Steuerbrille: der Vorteil ist kleiner geworden
Beide Länder haben ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Deutschland. Der Unterschied liegt nicht im Abkommen, sondern in dem, was das Zielland selbst besteuert.
Montenegro greift auf dein Welteinkommen zu, mit einem Tarif, der nach der Reform nicht mehr die frühere Schlagzeile hergibt. Das Abkommen verhindert die Doppelbelastung, aber es verhindert nicht die montenegrinische Steuer. Deine Gesamtlast sinkt gegenüber Deutschland, sie verschwindet nicht.
Die Philippinen greifen auf ausländisches Einkommen nicht zu. Deine Gesamtlast auf diese Einkünfte ist null, nicht niedrig.
Zur erweiterten beschränkten Steuerpflicht nach § 2 AStG: Sie setzt niedrige Besteuerung im Zielland und wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland voraus, mit einer Freigrenze von 16.500 Euro. Beim philippinischen Abkommen von 2013 ist die Frage praktisch erledigt: Es enthält keine Vorbehaltsklausel zugunsten Deutschlands, keine überdachende Besteuerung, keine Rückfallklausel, sodass die Norm für alle zugewiesenen Einkünfte leerläuft. Für Montenegro ist die Zuordnung anhand des dortigen Abkommens zu prüfen.
Für Österreicher und Schweizer: § 2 AStG betrifft dich nicht. Die montenegrinische Welteinkommensbesteuerung betrifft dich genauso wie einen Deutschen.
Das Saisonproblem, das niemand erwähnt
Montenegro ist zwei verschiedene Länder, je nach Monat, und beide haben ihre Nachteile.
Von Juni bis September ist die Küste voll. Kotor und Budva füllen sich mit Kreuzfahrtgästen und Urlaubern, die Preise ziehen an, und der Verkehr auf der einzigen Küstenstraße kommt zum Erliegen. Was im Mai ein stiller Ort war, ist im August ein Nadelöhr.
Von November bis März ist dieselbe Küste leer. Restaurants schließen, Vermieter fahren nach Serbien oder Deutschland, und die Orte, die im Sommer überliefen, haben im Januar kaum Leben. Für Urlauber ist das der Preis der Saison. Für jemanden, der dort wohnt, ist es ein halbes Jahr, in dem die Infrastruktur, wegen der er gekommen ist, nicht existiert.
Davao hat dieses Problem nicht. Die Stadt ist eine Millionenstadt mit eigenem Wirtschaftsleben, das nicht am Tourismus hängt. Kliniken, Läden, Restaurants und Handwerker sind im Februar dieselben wie im August. Das ist unspektakulär und deshalb leicht zu übersehen, bis man einen Winter in einem leeren Küstenort verbracht hat.
Für wen Montenegro trotzdem gewinnt
- •Du willst an der Adria wohnen und die Küstenlandschaft ist dir das Steuerthema wert.
- •Du beziehst deine Einkünfte in Euro und willst kein Währungsrisiko.
- •Du setzt auf die EU-Perspektive und willst früh dabei sein, bevor die Preise anziehen.
- •Du brauchst kurze Wege nach Mitteleuropa, mehrmals im Jahr.
- •Dein Einkommen ist überwiegend lokal oder klein, dann fällt die Welteinkommensbesteuerung weniger ins Gewicht.
Das erste Jahr, praktisch
Der montenegrinische Weg in den Aufenthalt führt für die meisten über eine Firmengründung oder eine Immobilie, und beides bringt Folgepflichten mit, die im ersten Jahr unterschätzt werden.
Die Firmengründung ist kein Formalakt. Wer den Aufenthalt darauf stützt, hat danach eine Gesellschaft mit Buchhaltung, Meldungen und einem Geschäftsführer, der erreichbar sein muss. Wird die Gesellschaft inaktiv, wackelt der Aufenthaltstitel, der darauf steht. Das ist eine laufende Verpflichtung, kein einmaliger Schritt.
Der Immobilienweg ist einfacher, bindet aber Kapital, und der Markt an der Küste ist klein und saisonal. Wer verkaufen muss, verkauft im Winter schlecht.
Auf den Philippinen hängt der Aufenthalt an einer Einlage, nicht an einer laufenden Tätigkeit. Die Einlage liegt fest, sie erzeugt keine Buchhaltung, keine Meldung und keinen Geschäftsführer. Wenn du ein Jahr nicht im Land bist, ändert das an deinem Status nichts.
Das ist der eigentliche Unterschied zwischen einem Programm und einer Konstruktion: Das eine trägt sich selbst, das andere muss gepflegt werden.
Drei Fragen, die den Vergleich für dich entscheiden
Prüfst du die Zahlen, die du gelesen hast? Bei Montenegro ist das keine rhetorische Frage. Der Pauschaltarif ist Geschichte, das Staatsbürgerschaftsprogramm ausgelaufen. Wer auf Basis älterer Artikel plant, plant falsch.
Willst du an der Adria wohnen oder Steuern sparen? Beides zusammen liefert Montenegro nicht mehr. Als Küstenwohnsitz ist es außergewöhnlich, als Steuerstandort ein normaler Welteinkommensstaat mit guter Aussicht.
Wie erlebst du den Winter an einem leeren Küstenort? Von November bis März schließt an der Küste ein erheblicher Teil der Infrastruktur. Wer dort wohnt statt Urlaub macht, verbringt ein halbes Jahr in einer Kulisse ohne Betrieb.
Wenn die Adria dein Hauptgrund ist, ist Montenegro richtig. Wenn die Steuer es ist, ist es der falsche Ort mit den richtigen Bildern.
Das Urteil
Montenegro ist ein schönes Land mit einem veralteten Ruf. Der Pauschaltarif ist Geschichte, das Staatsbürgerschaftsprogramm auch, und was bleibt, ist ein normaler Welteinkommensstaat mit besonders guter Aussicht.
Wähle Montenegro, wenn du an der Adria leben willst und die Steuer nicht dein Hauptgrund für den Wegzug war. Wähle die Philippinen, wenn sie es war. Und wenn du irgendwo eine Zahl aus einem Artikel von vor fünf Jahren liest: prüfe sie, bevor du darauf planst.
Häufige Fragen
Hat Montenegro nicht einen sehr niedrigen Pauschalsteuersatz?
Das war einmal. Der frühere einheitliche Satz wurde durch einen gestuften Tarif ersetzt, und die Grundlogik ist unverändert: Ansässige sind mit dem Welteinkommen steuerpflichtig. Auf den Philippinen fällt ausländisches Einkommen gar nicht erst in die Bemessung, siehe Steuerteil.
Kann ich über Montenegro einen zweiten Pass bekommen?
Nicht mehr über ein Investitionsprogramm, das ist ausgelaufen. Wer es heute noch beworben findet, liest veraltetes Material. Der reguläre Weg über Aufenthalt und Einbürgerung bleibt, dauert aber Jahre und verlangt echte Anwesenheit.
Ist der Euro in Montenegro sicher?
Montenegro nutzt den Euro als Zahlungsmittel, ohne Mitglied der Eurozone zu sein. Für deinen Alltag bedeutet das kein Währungsrisiko. Es bedeutet aber auch, dass das Land keine eigene Geldpolitik hat, was in einer Krise ein Faktor sein kann.
Wie ist die medizinische Versorgung?
Für Routine ausreichend, für Ernsteres fährt man nach Belgrad, Wien oder Italien. Davao hat eigene Privatkliniken mit Fachärzten und Operationskapazität und Singapur in Reichweite, Details im Gesundheitsbeitrag.
Was passiert, wenn meine montenegrinische Firma inaktiv wird?
Dann wackelt der Aufenthaltstitel, der darauf steht. Eine Firmengründung als Aufenthaltsgrundlage ist eine laufende Verpflichtung mit Buchhaltung und Meldungen. Das SRRV hängt an einer Einlage und erzeugt keine Folgepflichten.

